Meiningen - Ich gebe es heute gerne mal öffentlich zu - mir wurde das spezielle Karnevals-Gen nicht vererbt. Ich gehöre nicht zu den beneidenswerten Menschen, die schon allein vom Aufsetzen einer Pappnase in Stimmung kommen und selbst über den plattesten Witz lachen können. Wenn man dann noch dienstlich im Reporter-"Kostüm" zum Karneval geht und entsprechend nüchtern das Geschehen verfolgt, muss schon etwas geboten werden, damit sich ganz tief drin ein positives Gefühl einstellt, ich Stift und Kamera beiseite lege, um Beifall spenden zu können oder mein Lachen sich mit dem der wahren Jecken mischt. Am Samstagabend war das der Fall. Die Mädels und Jungs der Meininger Karnevalsgesellschaft haben es geschafft.

Das Entscheidende war, sie überzeugten nicht nur mich, sondern den Großteils ihres Publikums. Das am Ende gut dreistündige Programm wirkte alles andere als gequält langgestreckt, eher kurzweilig und die meisten Punkte stimmungssteigernd. Zum Ende kochte der Saal, stürmte das Publikum regelrecht die Tanzfläche und okkupierte selbst die Bühne, um sich ohne Pause ausgelassen nach den Glüxxritter-Klängen zu bewegen. Davon war selbst MKG-Präsident Rainer Enzian so beeindruckt, dass er glatt vergaß, das "Mäninger Lied" anzustimmen. Und wäre nicht "Noch-Landrat" Ralf Luther gewesen, der neben "Ich-will-Landrat" Michael Heym und Meiningens Bürgermeister Reinhard Kupietz sich mitten im Getümmel prächtig amüsierte, hätte die Hymne wohl keine Lippe berührt. Eine Schande? Nein, eher Indikator für den gelungenen Kurswechsel bei der MKG nach einer schweren Durststrecke. Enzian scheint es gelungen, seine Mannen zu einen und neu aufzustellen, ob jung oder alt, neu oder erfahren - ganz im Sinne des Publikums.

Na klar, wer nach Meiningen zum Karneval kommt, sollte auch weiter ein Fan ausgefeilt choreografierter und opulent ausgestatteter Tänze sein. Modern Style dominiert auf der Bühne - ob in bewährter Damen-Herren-Formation, ob als Modern-Style-Kids, Crazy Hoppers oder dem (immer stärker werdenden) Männer-Ballett. Doch die Mischung war am Samstag perfekt und sorgte so für das stete Ansteigen des Stimmungsbarometers. Tanzen alleine reicht aber nicht für einen bunten Abend. Das wissen auch die MKG'ler, denen es in den letzten Jahren vor allem an eigenen Büttenreden mangelte. Mit Uwe Möllerhenn aus Kaltensundheim holten sie wieder einen erfahrenen Humoristen, der als "geprügelter Ehemann" gekonnt die Geschlechter-Streit-Karte ausspielte, ohne allzu tief unter die Gürtellinie zu geraten. Größter Coup war aber in jedem Fall die Exhumierung des "Mäninger Nachtwächters", alias Uwe Clemens. Die Auferstehung seiner lokalen Bütt nach drei Jahren Pause war zweifellos ein Höhepunkt des Abends. Gekonnt nahm der Mann im klassischen Outfit mit Tröte und Laterne Meininger Themen aufs Korn. Tosender Applaus war auch sein Lohn.

Alles in allem scheint die MKG auf einem guten Weg. Dazu leisteten auch Sitzungspräsident Lutz Krumholz mit Partnerin Anka Hoffmann ihren Beitrag. Macht also weiter so, damit selbst K-Muffel wie ich ihren Spaß haben dürfen!

Prunksitzung der Meininger Karnevalsgesellschaft 18.02.2012

Quelle: Meininger Tageblatt vom 20.02.2012 - Seite 9